Dieses Jahr habe ich mir wieder den Adventskalender "Der andere Advent" gewünscht und tatsächlich auch erhalten. Täglich vom ersten Advent an bis zum Dreikönigstag bekomme ich nun einen Gedankenanstoss geliefert. Der heutige Beitrag hat mir ganz besonders gut gefallen, sodass ich ihn hier veröffentlichen möchte.
Brot am Haken
Ein unscheinbarer Bäckerladen an einer Hamburger Hauptverkehrsstrasse. An Stehtischen wärmen sich Männer Ende 50 an einer Tasse Kaffee. Keine Kundschaft, die erfolgreiche Geschäfte verspricht. Dennoch sind sie willkommen. Kaffee, Kuchen und Brot hängen für sie "am Haken".
"Brot am Haken" heisst die Aktion, die diese Bäckerei so bemerkenswert macht. Wenn ein Kunde Geld übrig hat, zahlt er einen Kaffee, ein Stück Kuchen oder ein Brot mehr, als er haben will. Der Bäcker hängt dafür einen Gutschein an den Haken über der Ladentheke. Den nimmt sich jemand, der wenig Geld hat. Dann bekommt er Backwaren und Heissgetränke kostenlos.
Ursprünglich stammt diese Idee aus Neapel. Dort ist es in den Kaffeebars gang und gäbe, dass Menschen kommen und einen gespendeten Kaffee trinken. In Hamburg scheint das noch Zeit zu brauchen: Zwar hängen viele Gutscheine über der Theke. Doch noch machen die Kunden davon nur zögerlich Gebrauch. Vor allem ältere Menschen scheuen sich davor, ein Brot vom Haken zu nehmen. Ihnen sei ihre Armut wohl peinlich, sagt der Bäcker.
Trotzdem verlassen viele den kleinen Laden mit einem Lächeln. Die einen geben gern.. Einen Kaffee zu spenden, tut dem Geldbeutel nicht weh. Und die Beschenkten freuen sich - auch darüber, dass sie anderen nicht egal sind.
Iris Macke